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Tabakkontrolle – Kreationismus im Gesundheitswesen?

Wir Dampfer sind ja aufgeschlossene Wesen. Daher interessiert es uns natürlich, was genau die Befürworter der gegenwärtig angedachten Überregulierung der tabaklosen E-Zigarette an Argumenten vorbringen. Natürlich erwartet man aus Erfahrung, dabei mit wirren Thesen, exzessiver Rosinenpickerei oder gelegentlichen Unwahrheiten konfrontiert zu werden, wie es uns eine Dame aus Heidelberg in den Medien seit Jahren permanent vorexerziert. Mit einer Extraportion Geduld und Verständnis gewappnet und auf das Schlimmste gefasst, begab ich mich also am 18.11.2015 nach Würzburg zu einem Vortrag der BAS (Bayerische Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen) mit dem Referenten Dr. Tobias Rüther zum Thema “Aktuelle Erkenntnisse zu E-Zigarette und E-Shisha".

Sein Vortrag hat mich erstaunt, positiv überrascht, verwirrt und in gewisser Weise auch zutiefst erschüttert.

Abgesehen von einigen Stellen, die mehr an ein Motivationstraining für Verkäufer erinnern und sich auf den Tabakgenuss, dessen Auswirkungen und das Handeln der Tabakindustrie beziehen, erlebt der interessierte Dampfer ein Wunder an Sachlichkeit und faktenorientierter Beurteilung der tabaklosen E-Zigarette. Kurz gesagt, Dr. Tobias Rüther bestätigt im Grunde jede Feststellung, die Dampfer, deren Interessenvertretungen und Wissenschaftler, die der Dampfe aufgeschlossen gegenüberstehen, in Richtung der Politik, Gesundheitswesen, WHO oder welcher Dampfgegner auch immer, je geäußert haben.

Er bestätigt die wesentlich geringere Schädlichkeit der tabaklosen E-Zigarette gegenüber der Tabakzigarette. Er beurteilt eine Schädigung von Beistehenden durch “Passivdampf” als äußerst unwahrscheinlich. Er sieht keine Gefahr für Erwachsene, durch den Konsum der tabaklosen E-Zigarette in eine Abhängigkeit zu geraten. Er bestätigt eine Abnahme des Suchtdrucks durch den Wechsel von der Tabakzigarette zur tabaklosen E-Zigarette. Genaugenommen lässt er sich diesen und weitere Punkte im Laufe des Vortrages und der anschließenden Diskussion nach ungläubigen Reaktionen aus dem Publikum von uns anwesenden Dampfern bestätigen!

Nikotin bezeichnet er als psychoaktive Substanz und kein einziges mal fälschlich als Nervengift. Er betont, dass Nikotin (in den üblichen Dosierungen der Dampfe) weitgehend unschädlich, nicht krebserregend und für sich alleine ein geringes suchtauslösendes Potenzial hat.

Nach einer gewissen Zeit erwartet man als Dampfer, dem dies alles schon lange bekannt ist, eigentlich nur noch auf einen Aufruf, der die anwesenden Sozialarbeiter, Lehrer und Gesundheitsschaffenden dazu auffordert, alle ihre Raucherschäflein schnellstmöglich zum Umstieg auf die Dampfe zu motivieren. Doch wie der Engel Aloisius wartet man auf diese göttlichen Ratschläge vergebens.

Nun entwickelt sich eine schizophrene Situation, wie ich sie bisher nur in Diskussionen mit kreationistischen Naturwissenschaftlern über die Evolution erlebt habe: Dr. Rüther empfiehlt, die tabaklose E-Zigarette strengstmöglich zu regulieren, bestätigt aber im Einzelgespräch nach Vortrag und Diskussion die Fehlerhaftigkeit der TPD2.

Er plädiert vehement für ein Verbot von jeglichen Aromen außer Tabakaromen. Auf den Hinweis, dass auch diese nicht nach brennendem Tabak schmecken und riechen (erstaunlich, dass man ihn darauf hinweisen muss, denn eigentlich forscht er ja mit und über die tabaklose E-Zigarette) fordert er auch ein Verbot dieser Aromen.
Für ihn reicht alleine die eingekaufte Beteiligung der Tabakindustrie und die weder näher definierte noch überhaupt in irgendeiner Weise erwiesene Sorge einer Re-Normalisierung des Rauchens (im speziellen bei Kindern und Jugendlichen) durch die Dampfe, um der tabaklosen E-Zigarette schlussendlich doch nicht positiv gegenüber stehen zu können. Bereits im Vortrag formulierte er es so, dass man anhand der Fakten ja eigentlich einen schnellstmöglichen Umstieg der Raucher auf das Dampfen unterstützen müsste, er könne dies aber aus ideologischen und rauchpolitischen Gründen nicht unterstützen.

Dies ist umso bedauerlicher, da man während des Vortrages immer wieder den Eindruck hat, er stehe nur ein My vor den logisch angemessenen Rückschlüssen, verliert sich jedoch immer wieder in den ideologischen Vorgaben der WHO-Tabakkontrolle.

Am Ende bleibt man als Dampfer mit der Frage zurück, was eigentlich schlimmer ist: verblendete Fanatiker, die manipulieren und negieren wie eine Dr. Martina Pötschke-Langer, oder ein Wissenschaftler, der einer Ideologie mehr traut als den selbst ermittelten Fakten und Zahlen.

 

Bericht aus dem Gedächtnis eines IG-ED Mitglieds

5 Gedanken zu „Tabakkontrolle – Kreationismus im Gesundheitswesen?

  1. Sehr gut geschriebener Artikel, der das Absurde an der allgemeinen Disskussion zu den E-Zigaretten wieder deutlich macht. Mal sehen wer von den verblendeteb Gegner es schafft bei den strikten Regulierungen in Ranpenlicht zu stehen, denn diese Person wird offiziell für viele verkürtzte Menschenleben verantwortlich gemacht! Sehr schade, dass die Moral einiger Berater und sogar Lenker in Europa und unserem Lande ein totales Disaster ist!

  2. Also wenn jemand, der sich noch nicht mal rudimentär mit soetwas auskennt und nicht mal weiß, wie der Geschmack der tabakartigen Liquids einzuschätzen ist, als Experte und anerkannter Meinungsmacher gilt … dann ist das in etwa so, als wäre meine Oma damit beuftragt, die IT-Ausstattung eines mittelständischen Unternehmens zu planen. Ich lach mich schlapp!

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