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Ignoranz am Beispiel einer SWR-Sendung

- oder -

Man will es nicht verstehen!

 

[Bild: iged_url.jpg]

Am 05.06.2014 strahlte das SWR im Rahmen der Landesschau Aktuell einen Beitrag aus, in der Univ-Prof. Dr. med. Thomas Münzel, Direktor der Klinik für Universitätsmedizin in Mainz mit der Aussage zitiert wurde "Die E-Zigaretten enthalten mehr Schadstoffe als gewöhnliche Zigaretten".

Diese Behauptung konnte die IG-ED nicht nachvollziehen, da sie bekanntlich sachlich falsch ist.

Deswegen nahmen wir Kontakt sowohl mit dem SWR als auch mit Professor Münzel auf und baten um Erklärung bzw. haben ihn aufgefordert, eine Richtigstellung beim SWR einzufordern, falls der SWR ihn falsch zitiert haben sollte.

Kurz und knapp bestätige Prof. Münzel unseren Eindruck. Hier sei seitens der Redaktion die E-Zigarette mit der Shisha verwechselt worden, die er als giftiger als herkömmliche Zigaretten ansieht. Seine Antwort endete jedoch mit der Aussage, dass er E-Shishas und E-Zigaretten mit Nikotin dennoch als sehr problematisch ansehe.

Natürlich baten wir ihn daraufhin, uns seine Bedenken in Bezug auf die E-Zigarette genauer darzulegen. Doch anstelle einer halbwegs ausformulierten Antwort, die u.U. einen Hinweis auf (uns vielleicht noch nicht bekannte) Studien enthalten hätte, bekamen wir von ihm kurz und knapp den Link zu einem  Spiegel-Artikel ( http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/e-zigaretten-experten-kritisieren-die-jugendliche-zielgruppe-a-972047.html ) mit der lapidaren Rückfrage "ausreichend?"

Mit so einer Antwort konnten wir uns natürlich nicht zufriedengeben und antworteten ebenso kurz und knapp: "Nein. Wir hatten medizinische Argumente und nicht den Versuch einer gesellschaftspolitischen Argumentation erwartet."

Tatsächlich erhielten wir auch auf diese Mail noch eine Antwort - allerdings etwas anders als erwartet.

Etwas erzürnt eröffnete er die Mail mit den Worten "Das ist meine letzte email zu diesem unerfreulichen Thema" und klärte uns unter Zuhilfenahme eines weiteren Links (http://www.deutschlandfunk.de/nikotin-macht-staerker-abhaengig-als-heroin.676.de.html?dram:article_id=28211) darüber auf, dass der Konsument durch Nikotin suchtgefährdet sei und Nikotin eine höhere Abhängigkeit als Heroin erzeuge.

Neben der Bitte, das Mailen nun endlich einzustellen, hat sich Dr. Münzel  nicht nehmen lassen, darauf hinzuweisen, dass wir gerne mit unseren E-Zigaretten glücklich werden sollen, er aber "seine" Kinder in der Kinderakademie mit Überzeugung und wissenschaftlichen Argumenten und nicht etwa mit Scheinargumenten warnen werde.

An dieser Stelle hatten wir dann eigentlich schon den Dialog eingestellt; so vielen "wissenschaftlichen Argumenten" wie verlinkt wurden, haben wir schließlich kaum etwas entgegen zusetzen, nicht wahr? Wink

Drei Tage später erhielten wir jedoch Post von Herrn Hoppe-Schultz, seines Zeichens Sprecher von "Rheinland-Pfalz - Rauchfrei". Dieser war von Dr. Münzel während des Dialogs in cc gesetzt worden.

Sein Standpunkt: Es sei höchst problematisch, E-Zigaretten oder E-Dampfen salonfähig zu machen. Egal, ob es sich hierbei um Produkte mit oder ohne Nikotin handele, Kinder werden angeblich animiert, solchen Unsitten nachzueifern, und viele würden letztlich beim Rauchen von Nikotin-Produkten ankommen. Auch wenn wir eine Altersfreigabe ab 18 Jahren unterstützen, der Einstieg in die Nikotindrogenwelt beginne in seinen Augen allermeistens früher.

Es wird wohl dem Fanatismus von Herrn Hoppe Schulz anzulasten sein, dass nun nicht mehr die seit Jahrzehnten verteufelte schadstoffbelastete Tabakzigarette den Einstieg in die Nikotinwelt begünstigt, sondern die teilweise an Jugendliche abgegebene nikotin- und tabak-freie E-Shisha der Sündenbock ist.

Einem solchen Ausmaß an ideologisch geprägten Leerfloskeln gab es unsererseits nichts mehr hinzuzufügen.

Wir haben jedoch den SWR angeschrieben und ihn aufgefordert, die eindeutig falsche Aussage an gleichem Sendeplatz richtigzustellen. Leider scheint dies nicht im öffentlich-rechtlichen Interesse zu sein: wir erhielten bis heute nicht einmal eine Antwort.

IG-ED e.V.

6 Gedanken zu „Ignoranz am Beispiel einer SWR-Sendung

  1. Das erinnert mich so an DHMO – http://www.dhmo.de/fakten.html – “Obwohl die Bundesregierung und das Bundesgesundheitsamt Dihydrogenmonoxid nicht als giftig oder karzinogen einstufen (wie sie es bei Chlorwasserstoffsäure oder Sacharin tun), ist DHMO ein wesentlicher Bestandteil von vielen Giftstoffen, Krankheiten oder krankmachenden Stoffen, Umweltkatastrophen und kann sogar in kleinsten Mengen für Menschen gefährlich werden. “

  2. Mit der gleichen Argumentationslogik verteidigen PETA-Aktivisten ihre bewußten Farbbeutelattacken auf Kunstpelze.

    Tobacco Control is out off Control

  3. Ein Direktor einer Klinik für Universitätsmedizin gibt eine öffentliche und eine nichtöffentliche Stellungnahme zu einem kontrovers diskutierten Gesundheitsthema ab und bildet sich seine Meinung aufgrund von Presseartikeln?

    Kompetent 😉

  4. Im Prinzip beten die öffentlich rechtlichen Medien seit Jahren nur die Propaganda der E-Zigaretten-Gegner nach. Sie werden ihrem Auftrag einer neutralen Berichterstattung nicht gerecht. Dies gilt allerdings generell und nicht nur auf unsere Dampferproblematik bezogen.

  5. Wenn Dr. Münzel “RLP – Rauchfrei” in CC setzt kann man vermuten, dass er 1) mit ihnen in Verbindung steht, 2) dass er befangen ist und 3) dass er sich mit einem Thema befasst hat von dem er zu wenig Ahnung hat. Das belegen die völlig unwissenschaftlichen Artikel die er zur Verteidigung seines persönlichen Standpunktes (mehr ist nicht dahinter) vorgebracht hat.
    Schade. Meine Professoren waren besser. Die haben keinen Quark zu Themen abgesondert von denen sie keine Ahnung haben.

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