Die E-Zigarette und die Eurokraten

oder
Gedanken eines E-Dampfers zum Jahresausklang

Die EU muss regeln. Ob die Bürger das wollen oder nicht, sie muss regeln.
Freiheit, Freiheit, wer braucht so was? Entfaltung der Persönlichkeit? Eigenverantwortung? Mündige Bürger?
Die gibt’s erst dann, wenn genug davon zum Wutbürger mutieren. Vielleicht. Hauptsache alle Europäer sind gesunde Wonneproppen. Und sie marschieren im Gleichschritt. Mit der Volksgesundheit kann man alles rechtfertigen. Ja, alles.

Worum es hier geht? Um eine Nebensache – für die meisten EU-Bürger. Um eine sehr wichtige Nebensache für einige Millionen.

Diese EU-Bürger haben es gewagt, den Tabak durch ein anderes Genussmittel zu ersetzen. Ein Genussmittel, welches ihnen Ihr geliebtes Nikotin mit wesentlich weniger Gefahr für Ihr eigenes Leben und das ihrer Mitbürger zuführt. Und das geht natürlich nicht, nein nein. Das ist ja gar nicht geregelt. Womit sich der Kreis fast schon wieder schließt.

Aber nur fast, denn da sind ja noch die arme Pharmaindustrie und die fast noch ärmeren Apotheken. Die haben nämlich Nikotinersatzpräparate, deren aktiver Wirkstoff ausschließlich Nikotin ist. Ein Paradoxon und eines der großen unentschlüsselten Geheimnisse der Erde. Nikotin wird durch Nikotin ersetzt!

Und die armen Staaten, wovon sollen die denn zukünftig leben, wenn diese sogenannten Dampfer auf dermaßen unsoziale Weise die Tabaksteuer arglistig umschiffen?

Zum Glück haben wir ja Institutionen, die diesen armen Leuten helfen. Zum Beispiel hier bei uns das Deutsche Krebsforschungszentrum. Was die mit der Sache überhaupt zu tun haben erschließt sich niemandem, eigentlich sollten sie sich mit Krebsprävention befassen. Vielleicht tun sie das auch, aber sie stecken auch sehr viel Energie in das Schlechtreden der E-Dampfe. Was das Gegenteil von Krebsprävention ist.

Dann gibt es da noch das Bundesamt für Risikobewertung. In den anderen EU-Staaten gibt’s sicher Ähnliches. Was die genau machen weiß ich ehrlich gesagt nicht. Vermutlich bewerten sie Risiken. Alternativ recyceln sie die „Äußerungen“ (tut mir leid, freundlicher kann ich das nicht sagen) der Krebsforscher aus den Krebsforschungen, die gar nix mit Krebsforschung zu tun haben. Aber mal ehrlich, wenn schon jemand das Risiko „bewertet“ hat, warum sich nochmal Arbeit damit machen?

Jetzt hätte ich beinahe die Zigarettenindustrie vergessen. Die haben auch Interessen und sich irgendwie mit der EU geeinigt. Ich denke mir das so:

„Also passt auf, liebe EU, meinetwegen machen wir böse Bilder drauf und lassen Menthol und Slim weg, der Kram kostet uns eh nur Geld. Aber dafür lasst Ihr uns ansonsten in Ruhe und macht mal diese komischen E-Zigaretten weg, ok?“ – „OK!“

Die EU schlägt also gleich einen ganzen Schwarm Fliegen mit einer Klappe, das ist großartig. Die Mehrheit der Bürger ist zufrieden (weil die Dampferei sie eh nicht interessiert und man auf allem was irgendwelche Wolken ausstößt gerne rumkloppen darf), die Raucher sind zufrieden (ein echter Kerl raucht oder hört ganz auf), die professionellen Nichtraucher sind zufrieden (weil Dampfen ja doch irgendwie wie Rauchen ist), die Pharmaindustrie ist zufrieden (weil sie Ihre „Nikotinersatzpräparate“ weiter konkurrenzlos verticken können – was sie auch jetzt schon tun, sie wissen es aber anscheinend nicht), die Apotheken sind eh zufrieden (weil Ihnen ein neues Produkt ganz unverhofft und ohne etwas dafür tun zu müssen in den Schoß fällt) und – juhu – die Tabakindustrie ist zufrieden (weil ein Konkurrenzprodukt ausgeknipst wurde). Bingo!

Achso ja die Dampfer. Die hätten wir jetzt fast vergessen. Ich fürchte, auf Einzelschicksale können wir an dieser Stelle aber keine Rücksicht nehmen – wenn alles andere so wunderbar zusammenpasst. Immerhin dürfen die ja noch 0,5 ml-Gebinde mit 4mg Nikotin pro ml frei kaufen und höhere Konzentrationen endlich total kontrolliert in der Apotheke – aufgrund der Zulassungsverfahren geschätzte 2 Jahre nach Inkrafttreten der Regelung. Wahlweise in den Geschmacksrichtungen „Alte Käsesocke“ und „Überlagerter Limburger“ (das ist geraten, ich geb’s zu). Kann sein, dass den Dampfern das nicht gefällt, aber die EU weiß besser was gut für sie ist. Da sitzen die Experten. Und die wollen ganz sicher nur unser Bestes, was sonst?

Der nächste Schritt in ein paar Jahren ist dann: alkoholreduziertes Bier in 10 ml-Gebinden frei verkäuflich zwischen 23 und 6 Uhr – normales Bier gibt’s gegen Berechtigungsschein in der Apotheke und für alles Stärkere brauchen wir einen Giftschein nebst Verwendungsnachweis. Und über Koffein müsste man auch mal nachdenken…

Die schöne neue Welt – sie ist in Sicht. Danke EU!


7 Kommentare

  1. 1. Theo Pimpertz

    Kommentar vom 29. Dezember 2012 um 10:17

    Hut ab, endlich mal was Wahres.
    Und wenn das alles durch ist, gehts den Leuten an den Kragen, die kein Normalgewicgt haben.
    Das Fett wird abgeschafft, dann gegen die Untergewichtigen usw…….

    Ich will nicht bevormundet werden!!!

  2. 2. Elke Franz

    Kommentar vom 29. Dezember 2012 um 14:20

    Wahre Worte. Man darf sich fragen, wer hat diese Volks“vertreter“ nur gewählt? Und wer bezahlt die, die Dinge tun, die nicht in ihrer Jobdescription stehen?
    Ob der Regelungswut und Volksbestimmung möcht man am liebsten auf eine abgelegene Südsee-Insel auswandern… wenn’s da nicht so schwierig mit dem Nachschub wäre…

  3. 3. Kleine Mann

    Kommentar vom 29. Dezember 2012 um 14:41

    Schöner Artikel. Nur bringt er nichts.
    Was gedenkt eigentlich der VdeH dagegen zu tun?

  4. 4. Redaktion IG-ED (HB)

    Kommentar vom 30. Dezember 2012 um 10:02

    @Kleine Mann

    Nun, der Artikel mag dem einen oder anderen ein wenig aus der Seele sprechen. Somit kann er durchaus etwas für die eigene Psychohygiene bringen.
    Daneben: Was der VdeH gedenkt dagegen zu tun, müssen Sie schon den VdeH selbst fragen 😉

  5. 5. Anja

    Kommentar vom 7. Januar 2013 um 12:47

    Superklasse geschrieben! Und genau so wird das wohl auch sein….

  6. 6. Henry

    Kommentar vom 12. Januar 2013 um 22:06

    Der Text spricht ,nein er schreit ,mir förmlich aus der Seele. Diese schier endlose EU-Reglementierungswut stinkt geradezu nach hochbezahltem Beamten-Dünnschiss mit einer Prise Lobbyismus.
    Denn der Gedanke ob da ,neben Apotheken und Finanzminister ,nicht die Tabakindustrie selbst die Finger drin hat kam mir als erstes als ich von diesem neuen Schildbürgerstreich a’la Brüssel erfuhr.

  7. 7. Anne Schmidt

    Kommentar vom 18. Februar 2013 um 11:49

    Die meisten begründen ihre Unterschrift bei der Petition mit dem Genuss des Dampfens als wirksame Alternative zum Rauchen.

    Was hier aber kaum erwähnt wird: Es ist für einen starken Raucher die EINZIGE Alternative, da die höher Nikotin-Dosis (18mg/ml) zu Anfang des Rauchstopps bei anderen Nikotinersatzprodukten zu Magenschmerzen (Nikotinkaugummis), Ekzemen (Nikotinpflaster), Nasenbluten (Nikotinsprays) führt.

    Das Angebot von diesen Mitteln in der Apotheke ist eine Farce und soll lediglich dazu dienen, den Ex-Rauchern eine Erholungspause zu gönnen, bis sie wieder zur Tabakzigarette greifen.

    E-Zigarette mit mind. 18mg/ml Nikotin = Intelligente innovative Lösungen in einer Demokratie zum Wohl des Menschen

    E-Zigarette mit max. 4mg/ml Nikotin =
    Zerstörung des gesunden freien Menschens durch Danistakraten und ihre Handlanger in der Politik

    EMPÖRT EUCH!!!!!

Einen Kommentar schreiben (max. 500 Zeichen!)

*