Spannend wie ein Krimi: Ein Versuch, die E-Zigarette zu diskriminieren und das Aufdecken der Fakten

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Bisher war Großbritannien in E-Dampferkreisen als e-zigarettenfreundlich bekannt.
Doch jetzt blasen auch dort die Medien zum Angriff auf das deutlich weniger schädliche Genussmittel.

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I. So funktioniert die Vernichtung eines unliebsamen Produktes
Wie die mediale Hetze genau funktioniert und wessen Interessen dadurch geschützt werden, ist an diesem Beispiel schön zu beobachten:

Schritt 1
Eine wissenschaftliche Arbeit wird nur mit einem Abstract (Kurzzusammenfassung der wissenschaftlichen Arbeit (Link 1) auf einem Kongress der European Respiratory Society vorgestellt; das Abstract wird per Pressemitteilung den Medien zugespielt.

[Anmerkung der Redaktion: Eine schriftliche Studie steht noch nicht zur Verfügung, nur das Abstract. Die Verbreitung von Ergebnissen einer wissenschaftlichen Arbeit ohne Veröffentlichung der gesamten schriftlichen Arbeit bzw. vor eine Überprüfung durch Peer-Review ist für wissenschaftliche Arbeiten nicht üblich!]

Eine der Durchführenden der Studie ist Professor Christina Gratziou, die auch eine Studie über das Präparat Vareniclin (Link 2) (Hersteller, Auftraggeber und Betreuer der Studie: Pfizer) durchgeführt hat und dem Medikament bescheinigt: “…that varenicline is an effective smoking cessation medication.”

Schritt 2
Ein Journalist greift das auf, versteht die Zeichen zwischen den Zeilen zu deuten, hält den Finger in den aktuell wehenden Zeitgeist und verfasst aus der Information eine Meldung bei Mail Online (Link 3).

Erhoffter Schritt 3
Das Image des E-Dampfens wird weiter geschädigt.

Zum Glück gibt es noch wachsame und faktentreue Wissenschaftler, so zum Beispiel Dr. Michael Siegel, Professor an der Boston University School of Public Health und Experte für Gesundheitsfragen im Zusammenhang mit dem Rauchen.

Daher gibt es in dieser Geschichte

einen anderen Schritt 3
In seinem Blog (Link 4) nimmt Dr. Siegel die Zeitungsmeldung, die Studie und Professor Gratziou genauer unter die Lupe.

Frau K. C. hat sich die Mühe der Übersetzung des Langtextes gemacht.
Das PDF steht auch unten am Schluss dieses Textes zum Download bereit.

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II. Die inhaltlichen Verfälschungen
Zu (Link 1)
Der Versuchsaufbau wird nur kurz zusammengefasst, der Schlusssatz des Abstracts lautet übersetzt:
“Wir schlussfolgern, dass nach dem Rauchen einer einzelnen E-Zigarette für zehn Minuten statistisch relevante Symptome, Änderungen der Vitalfunktionen und Anzeichen für Entzündungen der Luftwege auftraten.”

Zu (Link 2)
Gratziou ist Vorsitzende des ERS Tobacco Control Committee.

Zu (Link 3)
Im fraglichen Artikel der Daily Mail wird Professor Gratziou so zitiert:
“’This research helps us to understand how these products could be potentially harmful.”,
also:
”Diese Untersuchung hilft uns zu verstehen, in welcher Weise diese Produkte potentiell schädlich sein können.”

und
„‚More research is needed to understand whether this harm also has lasting effects in the long-term.“,
also
„Mehr Untersuchungen werden benötigt, damit wir verstehen, ob diese Schädlichkeit dauerhafte Effekte bei länger andauerndem Gebrauch zeigt.“

– womit die Fragestellung, unter der diese Arbeit durchgeführt wurde und fortgesetzt werden soll, ganz klar formuliert ist: “Wir suchen solange, bis wir etwas Schädliches finden!”

Ansonsten sind in dem Artikel nicht nur voreilige und laienhafte Schlussfolgerungen aus den Studienergebnissen aufgeführt (die Dr. Siegel genau auseinander nimmt (Link 4)), sondern es finden sich auch die aus dem deutschsprachigen Medienwald sattsam bekannten inhaltlosen, verzerrten oder einfach falschen Floskeln, wie “alles aus China importiert*, “keine Sicherheitskontrollen”, “Wir wissen noch nicht, ob nicht genehmigte Nikotin-Produkte wie E-Zigaretten sicherer als normale Zigaretten sind, trotzdem wird von den Vermarktern behauptet, dass sie weniger schädlich sind.” und so weiter.
* Wobei gerade in Großbritannien eigene Liquids hergestellt werden.

Zu (Link 4)
Wir empfehlen den interessierten Leserinnen und Lesern, sich sowohl den Blog von Dr. Siegel zu Gemüte zu führen wie auch

Zu (Link 5)
das PDF zum Downloaden, wobei wir bei Weiterverbreitung um unveränderte Form bitten!
Wir sagen herzlichen Dank für die Übersetzung an Frau K. C. und an Dr. Siegel für die Abfassung und die Erlaubnis zur Verbreitung!

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Machen Sie sich selbst ein Bild von diesen Vorgängen!

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5 Kommentare

  1. 1. Jens Mellin

    Kommentar vom 10. September 2012 um 19:48

    Sehr guter Artikel! 😀

    Übrigens: Es geht noch weiter!

    Wie Prof. Dr. Siegel ausführt, hat nicht nur die verantwortliche Wissenschaftlerin Dr. Gratziou in der Vergangenheit vom Pharmariesen Pfizer diverse Forschungsgelder erhalten, sondern auch die „Europäische Gesellschaft für Atemwegserkrankungen“ (European Respiratory Society – ERS) hat sich ihr letztes Treffen – das „The European Respiratory Society’s 2012 annual meeting“ [2] durch diverse Pharmakonzerne finanzieren lassen.

    Da es bei Wissenschaftlichen Versammlungen zu guten Ton gehört, die Sponsoren zu nennen, ist die Liste auch öffentlich verfügbar. [3]
    Namentlich wären das Actelion Pharmaceuticals Ltd, Almirall Astra Zeneca, Bayer Health Care Pharmaceuticals, Boehringer Ingelheim, Chiesi Farmaceutici SpA, Eli Lilly & Company, GlaxoSmithKline Pharmaceuticals, Grifols (formerly Talecris Biotherapeutics GmbH), InterMune, MSD, Mundipharma, Novartis Pharma AG, Nycomed, OM Pharma SA, Pfizer Ltd, United Therapeutics Europe LTD.

    Diverse Wissenschaftsmeetings, Workshops und andere Events auf der ERS-Versammlung wurden durch diese Pharmakonzerne gesponsert.

    Da mehrere dieser Konzerne Nikotinersatzpräperate und Nikotinsuchtbehandlungsmedikamente herstellen, haben diese erwartungsgemäß sehr viel zu verlieren, wenn die E-Zigarette sich letztendlich durchsetzen würde.

    Die Verbindung der „Europäischen Gesellschaft für Atemwegserkrankungen“ mit der Finanzierung durch diese Pharmahersteller wurde NICHT in der o.A. Pressemitteilung genannt [4].

    Damit wurde nicht nur gegen ein hohes Wissenschaftliches Prinzip ( Offenlegung von Abhängigkeiten ) verstoßen, sondern damit ist die ERS im Moment DIE LETZTE Organisation, welche irgendetwas gegen die E-Zigarette sagen dürfte.

    Man stelle sich nur vor: Ein Politiker würde sich in der Öffentlichkeit gegen Bestechlichkeit und Ehebruch ereifern und insgeheim nimmt er von der Industrie fleißig ein paar 100.000 Euro und verprasst diese im Bordell – Natürlich würde der Volkszorn hochkochen und der Politiker hätte seine Reputation verloren und niemand würde ihm noch glauben.

    Seltsamerweise hat die „Europäische Gesellschaft für Atemwegserkrankungen“ genau das gemacht – Und sie reden immer noch 😀

    Freundlichst,

    Jens Mellin

    [1] http://tobaccoanalysis.blogspot.de/2012/09/european-respiratory-society-hides.html
    [2] http://www.erscongress2012.org/
    [3] http://www.erscongress2012.org/images/stories/industry/ERS_Guidelines_for_Sponsors_and_Exhibitors.pdf
    [4] http://www.ersnet.org/eu-affairs/item/4494-european-respiratory-society-statement-on-e-cigarettes-and-emerging-products-.html

  2. 2. Danel

    Kommentar vom 11. September 2012 um 16:59

    Sehr guter Artikel und ein sehr guter Kommentar von Mellin.
    Leider ist das so, das es beim Dampfen nur Verlierer gibt. Die Pharmakonzerne, die Zigarettenindustrie, die Finanzministerien, die Volksgesundheitslobby mit ihren dämlichen und unwirksamen Raucher Entwöhnungsprogrammen, Heerscharen von selbsternannten „Fachleute“ die in den verschiedensten Blättchen ihre Tips für eine Rauch freie Zukunft zum Besten geben, die Reklame die in den Zeitungen geschaltet werden sind auch nicht dazu angetahn, dass die Presse vom Dampfen begeistert ist und nicht zu vergessen die ganzen Lungenfachkliniken mit ihren Ärzten und dem gesamten Verwaltungsaperat. Dazu muss man auch noch die Gerätemedizin (zB. portable Beatmungsgeräte) und und und rechnen. Man könnte die Liste endlos weiter führen und zum Schluss kommt man auch noch auf die verlängerte Lebensdauer zu sprechen, die die Rentenkasse weiter belastet. Die einzigen die profitieren sind Millionen von Ex Rauchern, die durch das Dampfen deutlich an Lebensqualität gewonnen haben.
    Wie kann man da erwarten, dass die Wahrheit nicht mit Füßen getreten wird?
    Wir führen einen Kampf David gegen ein Dutzend Goliats.
    Traurig aber wahr.

    Gruß Daniel

  3. 3. R. Pechstein

    Kommentar vom 12. September 2012 um 15:28

    Wir sind ja auch einige „David’s“ und wenn ich mich recht entsinne, hat Goliath verloren! 🙂 Also, lasst den Kopf nicht hängen, es ist schon einiges geschafft, aber es ist noch nicht vollbracht…

  4. 4. Danel

    Kommentar vom 16. September 2012 um 23:29

    Wenn ich ehrlich bin, sehe ich mittlerweile schwarz. Mich würde es sehr schwer wundern, wenn der EuGH positiv für uns entscheiden würde.

  5. 5. Lisa

    Kommentar vom 19. Dezember 2012 um 08:29

    Ein sehr guter Bericht, der den Interessenkonflikt mit Big-Pharma aufzeigt.

    Auffällig ist, dass die meisten Institutionen und auch Wissenschaftler, die ein Verbot fordern, von der Pharmaindustrie gesponsert werden und die Interessenkonflikte dann nicht einmal angeben. Im Link sind Organisationen aufgeführt, die von

    Pfizer insgesamt 2,8 Mio. $ und von
    GlaxoSmithKline ca. 1,4 Mio. $

    erhielten.

    http://tobaccoanalysis.blogspot.de/2012/10/anti-smoking-groups-that-oppose.html

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